Risiken

Risiken von Efeu an Mauerwerk: Was Hausbesitzer wissen müssen

Efeu kann bei schadhaftem Mauerwerk erhebliche Schäden verursachen. Welche Schwachstellen besonders gefährdet sind und welche Prüfungen vor der Bepflanzung notwendig sind.

Haftwurzeln von Hedera helix lösen sich von einer Backsteinmauer
Haftorgane von Hedera helix an einer Backsteinmauer. Quelle: Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Wie Efeu an der Fassade haftet

Gemeiner Efeu (Hedera helix) ist kein Wurzelkletterer im eigentlichen Sinne. Die sogenannten Haftwurzeln dringen nicht aktiv in das Mauerwerk ein, sondern scheiden eine klebstoffartige Substanz aus, die auf glattem Untergrund eine starke mechanische Bindung erzeugt. Auf intaktem, dichten Mauerwerk befinden sich diese Haftorgane an der Oberfläche und verursachen in der Regel keine baulichen Schäden.

Anders verhält es sich bei vorgeschädigtem Mauerwerk. Wächst Efeu in bereits bestehende Risse oder lockere Fugen, können die Triebe beim Dickenwachstum den Riss mechanisch aufweiten. Diesen Prozess bezeichnet man als biogene Sprengwirkung — ein Phänomen, das auch bei Baumwurzeln bekannt ist.

Gefährdete Bereiche an der Fassade

Nicht alle Bereiche eines Gebäudes sind durch Efeubewuchs gleich stark gefährdet. Besonders kritisch sind:

Fugen und Verputz

Historisches Mauerwerk mit Kalkzementmörtel weist oft Fugen auf, die im Laufe von Jahrzehnten ausgewaschen werden. In solche Hohlräume können Efeutriebe einwachsen. Beim Verdicken der Triebe wird der Fugenmörtel mechanisch beansprucht und kann ausbrechen. An Sichtmauerwerk ist dieser Schaden optisch sofort erkennbar; an verputzten Fassaden bleibt er oft lange unentdeckt.

Wärmedämmverbundsysteme (WDVS)

Moderne Fassaden mit aufgeklebten Dämmplatten — bekannt als WDVS oder Wärmedämmverbundsystem — sind für Efeubewuchs besonders ungeeignet. Die Haftwurzeln können sich zwischen Dämmplatte und Putzschicht verankern und beim Absterben Risse in der Putzschicht hinterlassen, durch die Wasser eindringt. Mehrere Bauforschungsinstitute raten ausdrücklich davon ab, Kletterpflanzen an WDVS anzubringen.

Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) hat in Untersuchungen gezeigt, dass bei WDVS-Fassaden das Risiko von Schäden durch Kletterpflanzen erheblich höher ist als bei Massivmauerwerk. Eine fachliche Einschätzung vor Ort ist in jedem Fall empfehlenswert.

Dachbereiche und Regenrinnen

Unkontrolliert wachsender Efeu erreicht innerhalb weniger Jahre Traufen, Dachflächen und Dachanschlüsse. In Regenrinnen angesammeltes Laub und Triebe verstopfen den Wasserablauf und können zur Staunässe an Dachanschlüssen führen. Triebe, die unter Dachziegel wachsen, können diese anheben und die Abdichtung der Dachfläche gefährden.

Fenster- und Türanschlüsse

An Fensterrahmen, Türzargen und Sohlbänken kann Efeu in undichte Stellen einwachsen und vorhandene Schäden verschlimmern. Da diese Stellen beim Bewuchs schwer zu inspizieren sind, bleiben Schäden häufig lange unbemerkt.

Risiken beim Entfernen von Efeu

Das Entfernen von langjährigem Efeubewuchs birgt eigene Risiken. Die Haftorgane bleiben nach dem Abreißen auf der Fassade zurück und sind optisch störend. Versuche, sie mechanisch zu entfernen, können den Putz beschädigen. Auf Klinkerfassaden können die Reste eingebrannt wirken. Eine vollständige Beseitigung erfordert oft professionelle Maßnahmen.

Zudem schützte der Bewuchs die Fassade vor direkter Bewitterung. Nach dem Entfernen ist die Fassade plötzlich wieder voller Witterung ausgesetzt. War der Putz unter dem Efeu bereits geschwächt, zeigen sich Schäden oft erst in der Folgezeit.

Zeichen für Schäden erkennen

Hausbesitzer sollten ihren Efeubewuchs regelmäßig kontrollieren und dabei auf folgende Anzeichen achten:

  • Ausgebliebene oder aufgequollene Fugen unterhalb des Bewuchses
  • Feuchte Stellen oder Salzausblühungen an der Innenwand
  • Abplatzender oder hohler Putz (durch Abklopfen prüfen)
  • Triebe, die in Fensteranschlüsse oder unter die Dachtraufe wachsen
  • Verstopfte Regenrinnen durch Efeublätter und -triebe

Bestandsschutz und älterer Bewuchs

Langjähriger Efeubewuchs auf stabilem Mauerwerk ist nicht zwangsläufig gefährlich. Wenn ein Bewuchs über Jahrzehnte schadenfrei geblieben ist und das Mauerwerk keine Risse oder Feuchteprobleme zeigt, besteht kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Entscheidend ist die regelmäßige Kontrolle.

Quellenangaben

  1. Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP): Fassadenbegrünung und Wärmedämmverbundsysteme. ibp.fraunhofer.de
  2. Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU): Fassadenbegrünung — Chancen und Grenzen.
  3. Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. (BGL): Kletterpflanzen an Gebäuden. bgl-ev.de